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P1030307

Saxonia-Brunnen am Wall

Hier befand sich früher
der Johannis-Platz

Inhalt

  • „Kehrzement“ – und ein Rückblick auf unser Leben in der DDR
  • Amateurfunk - mein Fenster in die Welt
  • Das geheime Bauvorhaben am Adelsbergturm und der schwierige kommunale Neubeginn 1990
  • Die "ehemalige" DDR - auch ein Rückblick
  • Eine fantastische Verbindung von Tradition und Moderne
  • Gedanken zu unserem "Gemeindebote"
  • Gefährliche Ausfahrten
  • Modernisierung der Bahnlinie Chemnitz - Leipzig
  • Stolpersteine in Chemnitz
  • Winterdienst in Kleinolbersdorf-Altenhain

„Kehrzement“ – und ein Rückblick auf unser Leben in der DDR

Von Karlheinz Reimann, geschrieben im Mai 2025

Mit Interesse habe ich den Beitrag von Klaus-Dieter Nözel im vorigen Gemeindebote gelesen. War er doch ein dankenswerter Rückblick auf unser Leben in der DDR, das sich heute kaum noch jemand vorstellen kann. Wer damals in eigener Initiative ein Eigenheim errichten wollte und damit den Wohnungsbau des Staates entlastete, der hatte sich ein sehr strapaziöses Vorhaben, meist über mehrere Jahre vorgenommen. In den Betrieben der DDR wurde tagtäglich jede Hand, jeder Kopf und alle Kraft gebraucht, um den Plan zu erfüllen. Beim Hausbau am Feierabend, Wochenende und im Urlaub aber war jeder überwiegend auf sich allein gestellt, wie er zum erforderlichen Material und notwendigen Dienstleistungen kommen konnte. Handwerksleistungen waren sehr schwer und oft gar nicht zu erlangen, weil die Produktionsgenossenschaften des Handwerks mit Aufträgen vom Staat voll ausgelastet waren. Selbst für die Anschlussleitungen und den Bau der Erschließungsstraße mussten sich manchmal, wie hier beschrieben, die Häuslebauer noch selbst aufopfern. „Mit Zement gab es Schwierigkeiten“ hieß im Klartext, für private Zwecke gab es oft keinen. Er wurde neben dem Großplattenbau auch ab 1961 tonnenweise an der Mauer, an der 1600 Kilometer langen Staatsgrenze West verbraucht. Die DDR war nicht nur die zehntgrößte Industriemacht, wie die staatliche Propaganda etwas übertrieb, sie war seit dem 13. August 1961 auch ohne jeden Zweifel das größte Arbeitslager der Welt mit anfangs 17 Millionen eingesperrter Bevölkerung, die im Laufe der Jahre immer weniger wurde.

Schwer hatte es nicht nur, wer ein neues Haus bauen, sondern auch wer ein bestehendes Haus erhalten wollte. Im Herbst 1966 haben wir den hölzernen Anbau unseres Hauses in Ziegelbauweise erneuert. Eisenträger für die Decke gab es nicht, sie wurden durch abgefahrene Eisenbahnschienen ersetzt. Der Zuschnitt erfolgte von Hand mit der Eisensäge, ein Schnitt erforderte zwei Stunden und zwei Sägeblätter. Betonplatten für die Decke waren auch nicht beschaffbar. So wurden Stahlmatten geflochten, eingeschalt und mit von Hand in der Kalklösche zubereitetem Beton ausgegossen. Im Frühjahr 1967 sollte dann der Außenputz auf den Anbau aufgebracht und die Giebelseite des Hauses neu verputzt werden. Mit dem Abhacken des Außenputzes erschloss sich uns eine Katastrophe: Die gesamte Wand war einsturzgefährdet. Beim Bombenangriff am Vormittag des 6. Februar 1945 war auf dem Feld unmittelbar neben unserem Grundstück eine Sprengbombe gefallen. Das Haus in 50 Meter Entfernung mit Fachwerk unter Putz hatte auf die Druckwelle elastisch reagiert. Aber feine Risse im Putz und  eindringendes Wasser an der Wetterseite hatten über Jahre unbemerkt das tragende Fachwerk völlig zerstört. Ein Viertel des Hauses musste nun bis auf die Grundmauer abgerissen und neu errichtet werden.

Um dafür die Baufreiheit zu schaffen, mussten zunächst die angrenzenden Räume freigezogen werden. Wie nach dem Krieg vielerorts notwendig, war die untere Hälfte unseres Einfamilienhauses zwangsweise vermietet. Die Mieter hatten die Küche bekommen, der Hauseigentümer das Bad, die Toilette musste gemeinsam benutzt werden. Uns standen damals mit einem Kleinkind 34 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, darunter eine Wohnküche von 9 Quadratmetern. Als Hauseigentümer hatten wir bei einer staatlich festgesetzten Miete von 28,50 Mark  und 3 Mark Wassergeld alle Instandhaltungen zu leisten. Um bauen zu können, mussten die Mieter, ein älteres Ehepaar, mit denen wir über viele Jahre in gutem Einvernehmen gelebt haben, in einer anderen Wohnung untergebracht werden. Bürgermeister Sparmann hatte dafür sofort eine Lösung: Das Ehepaar zieht für die Dauer der Bauzeit auf unsere Kosten in den Goldenen Hahn. Seine Rechtsauffassung war damals verwunderlich und ist heute noch bemerkenswert. Dabei wussten wir damals nicht, wie wir die Bauarbeiten bezahlen sollten, geschweige denn eine sehr lange Hotelunterkunft der Mieter. Genosse Sparmann, ein Mechaniker aus dem VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt, war nach einer kurzen Auszeit im Westen, im Sprachgebrauch der DDR „Republikflucht“, reumütig zurückgekehrt und zur Belohnung als Bürgermeister bei uns eingesetzt worden. Zement konnte er für unser Bauvorhaben auch nicht organisieren. So haben wir überwiegend mit „Kehrzement“ gebaut, der am Südbahnhof beim Abfüllen auf LKW auf die Straße fiel, zusammengekehrt wurde und an die Bevölkerung abgegeben werden durfte. Aber bei uns waren das 20 Tüten, frisch abgefüllt vom Silo zum Ladenpreis. „Da kommst du morgen kurz vor dem Dunkelwerden mit einem Fahrzeug hierher“. Typisch DDR, Not und Mangel waren groß, Solidarität untereinander aber auch. Für das Gerüst konnten wir Fichtenstangen aus Bauer Forkmanns Wald ausleihen, bevor sie in Koppelpfähle zersägt wurden. Transportieren  sollte ich sie aber selbst. Noch nie vorher hatte ich ein Gespann geführt und war überrascht über das mir geschenkte Vertrauen. Mit Pferd und Ochs ging es gemächlich voran und ich konnte das Fuhrwerk unbeschadet zurückbringen. Bis eine annehmbare Wohnung für unsere Mieter als Zwischenlösung gefunden wurde, war es inzwischen Mitte Oktober 1967 geworden. Nun konnten wir mit den Bauarbeiten endlich beginnen. An drei Samstagen wurde von unten beginnend jeweils am Vormittag eine Etage abgebrochen und bis zum Abend wieder aufgemauert. Zum großen Glück hatten wir in unserer so jungen Familie die fachliche Anleitung und tatkräftige Hilfe meiner Onkels, Helmut und Arthur Zscherp aus dem bis 1948 bestehenden Baugeschäft meiner Großeltern zur Verfügung. Ich weiß nicht, wie wir es ohne sie hätten bewältigen können. Auch für meine Frau war das eine sehr strapaziöse Zeit: Ziegel putzen, Hohlblocksteine heranschleppen, Stahlmatten flechten, für die Mannschaft Essen kochen, das Kleinkind betreuen. Als am dritten Samstagabend der letzte Ziegel in der Giebelspitze vermauert war, waren wir alle am Boden. Am Sonntagmorgen danach lag Schnee. Der Außenputz konnte dann erst im Frühjahr 1968,  im dritten Jahr nach Baubeginn aufgebracht werden. Inzwischen erwarteten wir die Geburt unseres zweiten Sohnes. Mit einer Klage auf „dringenden Eigenbedarf“ erhielten wir Recht. Die Wohnung im Einfamilienhaus wurde uns zugesprochen mit der Auflage, unseren Mietern für Umzugskosten und Gardinen in der neuen Wohnung 600 Mark zu erstatten. Damit hatten die Mieter nun fast zwei Jahre ohne Mietzahlung   bei uns gewohnt. In meiner Stasi-Akte hat Unterleutnant Walther dazu geschrieben, ich hätte „ein altes Ehepaar aus dem Haus herausgeegelt“, so wie es ihm der Stasi-Informant (GMS) über viele Jahre  im Gemeindeamt Kleinolbersdorf berichtet hatte.

Gerüst

 Improvisiertes Gerüst 1967    (Bild: Karlheinz Reimann)

 

Trotzdem war nicht alles schlecht in der DDR. Mit vielen Subventionen des Grundbedarfs (Lebensmittel,  Kinderbekleidung, Energie, Wasser, öffentlicher Personenverkehr) und einem nahzu unkündbaren Arbeitsplatz, weil bei der niedrigen Automatisierung jede Arbeitskraft dringend gebraucht wurde,  hatte man eine beachtliche soziale Sicherheit.    Deshalb gab es in der DDR so viele Kita-Plätze wie sonst nirgendwo. Die Kinder wurden hier von 6 Uhr bis 18 Uhr mit voller Verpflegung für 1 Mark/DDR pro Tag gut betreut. Besondere Förderung genossen in den späten Jahren der DDR auch junge Ehepaare. Ihre zinslosen Kredite von 5.000 (später 7.000) Mark/DDR wurden mit 50 Mark/DDR zurückgezahlt, konnten aber auch "abgekindert" werden. Für jedes erste Kind wurden 1.000 (für das zweite 1.500, das dritte 2.500) Mark/DDR geschenkt. Unser Schulwesen in den Grund- sowie naturwissenschaftlichen Fächern war hervorragend, seit den 1980ger Jahren gab es das 10-Klassen-Schulsystem für alle. Viele in der DDR ausgebildete Übersiedler haben in der BRD problemlos eine Karriere gefunden. Die Gleichberechtigung der Frauen war viel früher und viel weiter fortgeschritten als in der BRD. Obdachlose gab es in der DDR nicht. Kinder früher benachteiligter Schichten konnten mit Stipendium (ohne Rückzahlung) finanziell sorgenfrei studieren. Aus ärmlichen Verhältnissen kommend, verdanke auch ich mein Hochschulstudium der DDR. Ich habe der Gesellschaft dafür in fast drei Jahrzehnten bei Robotron ein umfangreiches  Arbeitsleben zurückgegeben.  Sehr billige, nicht kostendeckende Mieten erschienen vielen gut, waren es aber nicht wirklich. Sie haben neben der Rüstung und dem Grenzregime den Staat immer mehr in den wirtschaftlichen Ruin geführt. Umso mehr, je mehr Wohnungen gebaut wurden. Mit nur 40% der Arbeitsproduktivität der BRD und Reparationen für die Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht in Sowjetrussland, die wir im Osten allein geleistet haben, konnten die „sozialpolitischen  Maßnahmen“ in der DDR auf Dauer nicht finanziert werden.  Ihre Rücknahme war aber auch nicht möglich, sie hätte die DDR  unregierbar gemacht. Aber ein Vergleich mit dem Leben unserer Verwandten im Wirtschaftswunder des Westens und ihrer gelebten Freiheit war für uns im Osten deprimierend.  Sie konnten reisen,  verbrachten ihren Urlaub in Italien oder auf Mallorca, ließen bauen  und konnten abzahlen.

1989 verlor die SED-Führung immer mehr die Kontrolle über ihre Bevölkerung und wandte sich immer mehr von Reformen in der Sowjetunion unter Gorbatschow ab. Zehntausende Bürger wollten mit Ausreiseanträgen raus aus der DDR. Andere skandierten „Wir bleiben hier“ und wollten das Leben in der DDR zum Besseren verändern. Als ich im September 1989 bei unserem Pfarrer Lothar Popp mein Anliegen vortrug, die Proteste von der Stadt nun auch auf das Land herauszutragen, waren wir uns sofort einig. In der Kirche fanden wir für unsere Versammlungen ein schützendes Dach vor dem Zugriff der allgegenwärtigen Stasi und mit  Lothar Popp eine intellektuelle Führung für Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeit gegen jedermann. Unsere Kirche war zu den Versammlungen voll wie sonst zum Heiligen Abend, dabei auch Stasi-Mitarbeiter wie IM „Hans Stiehler“, der sich als Wortführer hervortat, mitten unter uns. Dann platzte in unsere  Kirchenversammlung am Abend des 9. November die Nachricht vom Mauerfall in Berlin. Wir waren schockiert und ratlos, wie es jetzt weitergehen würde. Die Wendezeit war eine aufregende und wunderbare Zeit, aber später haben sich nicht alle unserer Illusionen für eine bessere Zukunft erfüllt. Die Transformation der Wirtschaft mit hoher Arbeitslosigkeit (in Chemnitz 1992/93 über 22%) hat viele schwer getroffen und verunsichert. Gewonnene Freiheiten waren verbunden mit verlorenen Gewissheiten. Gern hätte ich 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch einmal eine Kirchenversammlung in Erinnerung an den Herbst 1989 erlebt, vielleicht  mit einer professionellen Moderation zum Thema „Was haben wir gewonnen, was haben wir verloren?“ Mein Vorschlag hat damals von der Kirche leider keine Zustimmung gefunden.

Demokratie und Rechtsstaatlichkeit waren nach dem Nationalsozialismus und dem Ende des fürchterlichen Krieges 1945 ein sehr hohes Gut im zerstörten Deutschland. Die Umsetzung nahm zunächst in den drei Westzonen/BRD Gestalt an, während der Osten 45 Jahre lang dem diktatorischen System der Sowjetunion folgen musste. Eine Demokratisierung begann hier erst nach dem Aufbegehren des Volkes der DDR im Herbst 1989. Wir in der Gegenwart stehen immer an der Schwelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Vergangenheit, über die wir vieles wissen, aber nichts mehr ändern können und Zukunft, über die wir wenig wissen, aber gestalten müssen. Dabei ist heute jede Bürgerin und jeder Bürger gefordert, aus der Geschichte zu lernen und an der Wahlurne eine kluge und verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen. Es kommt auf jede Wählerin und jeden Wähler an, sich für eine gute Zukunft unseres Landes einzubringen.

Gefährliche Ausfahrten

 

 Von Karlheinz Reimann, geschrieben im Juli 2023 

Als nach 1990 der Straßenverkehr auch in Kleinolbersdorf und Altenhain erheblich zunahm, erklärte der Gemeinderat vor allem zum Schutz von Kindern auf der Straße die Siedlung Gartenstadt zur „Zone 30“. Zur Erinnerung der Kraftfahrer schafften wir es damals sogar, im Innenbereich hier und da eine weiße 30 auf die Fahrbahn zu bringen. Mit der Sanierung und dem Ausbau der Ortsdurchgangsstraße in Kleinolbersdorf wurden erstmalig Zwei-Kanal-Abwasserleitungen (Regenwasser getrennt von Schmutzwasser) verlegt und durchgängig ein Fußweg errichtet, wodurch die Sicherheit der Fußgänger im Ort wesentlich erhöht werden konnte. Wer erinnert sich heute noch an die alte Dorfstraße, teils eingeengt, voller Schlaglöcher und mit offenem Straßengraben? Es war ein erstaunliches, zeitaufwändiges und zukunftsträchtiges Bauvorhaben einer kleinen selbständigen Gemeinde, die ihre Möglichkeiten nach der Wende zu nutzen verstand. Gleiches hatte der Gemeinderat danach auch für Altenhain vorgesehen. Aber mit unserer Eingemeindung 1997 nach Chemnitz hatte sich das erledigt. Seit 26 Jahren ist davon keine Rede mehr. Dem Stillstand gehorchend wurde die gesamte Ortsdurchfahrt in Altenhain, nun immer noch ohne Fußweg, auch auf 30km/h festgesetzt. Und das wird vermutlich noch lange Zeit so bleiben.

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Gedanken zu unserem "Gemeindebote"

 

Von Karlheinz Reimann, 

geschrieben im September 2022.


Seit 1990 gibt es unsere kleine Dorfzeitung
"Gemeindebote", die heute  vom Bürgerverein Kleinolbersdorf-Altenhain mit Beiträgen des Ortschaftsrates sowie von Einwohnern und Lesern  gestaltet wird und den Einwohnern sechsmal im Jahr kostenlos zur Verfügung steht.

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Stolpersteine in Chemnitz

 

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Januar 2018, zuletzt bearbeitet im August 2025.

 

"Stolpersteine" sind ein Projekt gegen das Vergessen einer schlimmen Zeit und Anlass zum Lernen aus der Geschichte. Stolpersteine - die kleinen 10 mal 10 Zentimeter großen Messingtafeln, eingelassen in den Gehweg - sollen Passanten bewegen zum Innehalten und Gedenken an das  Schicksal von Mitbürgern, die hier im Haus nebenan ihren letzten freigewählten Wohnsitz hatten, die während des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben worden sind. Stolpersteine geben den Menschen, die damals zu Nummern degradiert und ausgelöscht wurden, hier ihren Namen und mit wenigen Lebensdaten ihre Würde zurück. Projektträger ist die Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus (VVN-BdA) Chemnitz. Die Stadt Chemnitz unterstützt und fördert dieses Projekt seit über 20 Jahren. Der Historiker Dr. Jürgen Nitsche aus Lauenhain (bei Mittweida) hat in Chemnitz über viele Jahre die Biografien von Holocaust-Opfern gestaltet und die Verlegung von Stolpersteinen moderiert , zur Geschichtsvermittlung nicht selten auch unter Mitwirkung der jungen Generation.

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Die "ehemalige" DDR - auch ein Rückblick

von Karlheinz Reimann, 
geschrieben im Mai 2014, aktualisiert im Januar 2025 

Es ist merkwürdig: Niemand spricht vom ehemaligen Deutschen Kaiserreich, von der ehemaligen Weimarer Republik oder vom ehemaligen Dritten Reich. Auch im Schriftgut historischer Bücher findet man diese Formulierung nicht. Von der ehemaligen DDR wird dagegen auch nach über  drei Jahrzehnten ständig gesprochen oder geschrieben. Die Penetranz, mit der bezüglich der DDR an dieser Formulierung festgehalten wird, ist auffällig. Das mag oft einfach nachgesprochen oder ein Lapsus im Gebrauch der deutschen Sprache sein, zuweilen aber auch beabsichtigt. Warum sagt man nicht einfach DDR? Die Historie ist schließlich hinreichend bekannt.

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Amateurfunk - mein Fenster in die Welt

von Karlheinz Reimann, DL2JVN

geschrieben im September 2018

Amateurfunk in der Welt

Amateurfunk ist ein interessantes und vielseitiges, aber auch anspruchsvolles Hobby. Funkamateure versuchen Funkverbindungen mit anderen Funkamateuren in der gesamten Welt herzustellen, meist mit relativ kleiner Senderleistung und oft an der Grenze des technisch Möglichen. Amateurfunk soll bei niveauvoller Kommunikation weltweit Brücken des gegenseitigen Verstehens schlagen und keine kommerziellen Interessen verfolgen. Politik und Religion sollten möglichst außen vor bleiben.

In der Welt gibt es etwa 2,8 Millionen lizensierte Funkamateure. Davon 1,3 Millionen in Japan, 740.000 in den USA, 176.000 in Thailand und 140.000 in Süd Korea. Danach folgt Deutschland auf Platz 5 mit etwa 80.000 Funkamateuren, also 1 von 1000 Bundesbürgern besitzt eine Amateurfunklizenz. So ist es kein Wunder, dass ich in meinem Dörfchen mit gut 3.600 Einwohnern seit mehr als 50 Jahren der einzige Amateurfunker bin. Amateurfunk ist  ein selten ausgeübtes Hobby, weshalb tiefere Kenntnisse darüber wenig verbreitet sind. Hier zunächst einige Anmerkungen über den Amateurfunk an sich.

Wer Funkamateur werden will, muss eine Ausbildung absolvieren, die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten auf den Gebieten Technik, Betriebsdienst und gesetzliche Bestimmungen erwerben und diese in einer Prüfung vor der nationalen Telekommunikationsbehörde – in Deutschland die Bundesnetzagentur (BNetzA) - nachweisen. Unterstützung dabei findet man bei den Funkamateuren in den über 1.000 lokalen Ortsvereinen (OV) des Deutschen Amateur Radio Club (DARC), der größten Dachorganisation der Funkamateure in Deutschland mit etwa 42.000 Mitgliedern. Besonders aufwendig war früher das Erlernen des Hörens und Gebens von Morsezeichen mit Tempo 60 Buchstaben pro Minute. Das ist heute nicht mehr Bedingung, wird aber von vielen älteren Funkamateuren noch immer als schönste Betriebsart gepflegt. Erst nach erfolgreicher Prüfung wird eine Lizenz zum Funken erteilt und der Funkamateur erhält für seine Funkstation ein persönliches Rufzeichen, das weltweit nur ein einziges Mal existiert. Beim Rufzeichen steht vornan der Landeskenner, so dass jeder, der ein Rufzeichen hört, sofort weiß, aus welchem Land der Erde dieser Funkamateur sendet. Derzeit sind 340 Landeskenner in der von der ARRL (American Radio Relay League) verwalteten Amateurfunk-Länderliste (DXCC-Länder) aufgeführt, darunter auch eine Anzahl von Ländern und Gebieten, in denen gar kein Funkamateur ansässig ist. Wenn diese durch Expeditionen von ausländischen Funkamateuren aktiviert werden, herrscht stets großer Andrang, mit diesen Gebieten eine Funkverbindung zu erreichen und bestätigt zu bekommen.

Mit dem Funkwesen allgemein wie auch dem Amateurfunk hat sich ein spezieller Sprachgebrauch entwickelt mit vielen Fachbegriffen, Abkürzungen für die Telegrafie meist aus dem Englischen, weil nach dem Ersten Weltkrieg Briten und Amerikaner beim Amateurfunk den Deutschen zeitlich voraus waren, sowie den international gebräuchlichen Q-Gruppen. Als Buchstabieralphabet wird im Amateurfunk das gleiche benutzt wiein der internationalen Luftfahrt. Zum besseren Verständnis ist deshalb am Ende dieses Beitrages ein Glossar angefügt.

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Winterdienst in Kleinolbersdorf-Altenhain

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Dezember 2016


Aus meiner Kindheit in Kleinolbersdorf nach dem Ende des Krieges habe ich den von Pferden mit Glockengeläut gezogenen Schneepflug noch in Erinnerung. Der große, hölzerne, schwergewichtige Spitzpflug, dessen Seitenteile in der hinteren Hälfte entsprechend der Straßenbreite ausgestellt werden konnten, war von der Gemeinde angeschafft worden. Nach Verträgen mit Bezahlung nach Stunden sorgten Bauern des Ortes mit ihren Pferden und diesem Schneepflug dafür, dass die Straßen im Ort stets offen blieben – für die Bauern eine willkommene Winterarbeit.

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Modernisierung der Bahnlinie Chemnitz - Leipzig

Von Karlheinz Reimann,

geschrieben im April 2016

Als 2015 der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) bis 2030 aufgestellt  worden ist, war darin die Modernisierung der Bahnlinie Chemnitz - Leipzig nicht eingeordnet worden. Alle administrativen Bemühungen der Stadt Chemnitz dafür waren erfolglos geblieben. Deshalb appellierte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig an Vertreter von Politik, Wirtschaft, öffentlichen Institutionen und alle Bürger, sich mit Argumenten für eine zeitgemäße Anbindung von Chemnitz, einer Stadt mit 250.000 Einwohnern und beachtlichem Wirtschaftspotential, an das Fernliniennetz der Bahn einzubringen. Im August 2016 wurde  unter  Berücksichtigung eingegangener Stellungnahmen der neue Entwurf für den BVWP 2030 in den Bundestag eingebracht, in dem nun auch die Strecke Chemnitz - Leipzig in den "potentiellen Bedarf" aufgenommen wurde. Barbara Ludwig: "Damit ist das fast Unmögliche gelungen, nämlich Änderungen am Entwurf zum Verkehrswegeplan zu erreichen. Mit der Aufnahme in den potentiellen Bedarf  besteht jetzt tatsächlich endlich die Chance, dass Chemnitz wieder eine leistungsfähige Anbindung an den Fernferkehr erhält, wie sie einer Wirtschaftsregion dieser Bedeutung auch zusteht ..." Doch die Realisierung des Projektes, ein zweigleisiger Ausbau und die Elektrofizierung der Strecke, ist damit noch nicht gesichert. Es kommt jetzt darauf an, dass die Modernisierung der Strecke in die nächste Dringlichkeitsstufe, den "vordringlichen Bedarf" aufsteigen kann.

Bereits während praktischer Arbeit vor und während meines Studiums an der Hochschule für Verkehrswesen Dresden hatte ich die Misere des Eisenbahnbetriebes auf der Strecke Chemnitz - Leipzig kennengelernt, die trotz punktueller Verbesserungen bis heute besteht. Deshalb wollte ich mich mit dem folgenden Schreiben an das Bundesverkehrsministerium auch als Bürger mit der folgenden Stellungnahme an der Diskussion des Entwurfes beteiligen.

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Eine fantastische Verbindung von Tradition und Moderne

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Februar 2015

Die „alte Merkelfabrik“ war als herausragendes Bauwerk immer ein Blickfang in Altenhain, einem kleinen Dorf am südöstlichen Stadtrand von Chemnitz. Herausragend, weil der nun fast 200 Jahre alte und sieben Stockwerke hohe Industriebau, in idyllischer Umgebung am Eingang zum Sternmühlental gelegen, als Kulturdenkmal Stil und Stolz sächsischen Unternehmertums verkörperte. Mancher Hobbymaler hat mit diesem repräsentativen Gebäude sein Motiv gefunden.

Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung im 19. Jahrhundert, durch die nun auch in kleineren Dörfern Fabriken entstanden, war ohne ein motorisiertes Verkehrswesen das Entstehen von fußläufig erreichbaren Arbeitsplätzen für die ländliche Bevölkerung von großer Bedeutung. Während der Bombenangriffe im Februar/März 1945 auf Chemnitz haben Einwohner von Altenhain im tiefen Keller der Merkelfabrik Schutz gefunden. In den Jahren nach dem Krieg war für uns Kinder das Baden und Schwimmen in Merkels Teich oft ein großes Vergnügen während der Sommerferien.

Nach der Wende stand die Fabrik über fast zwei Jahrzehnte leer und war dem Verfall preisgegeben. Niemand konnte sich vorstellen, dass dieses Kulturdenkmal jemals gerettet werden kann. Die grundhafte Sanierung des Gebäudes und die Revitalisierung durch ein innovatives Unternehmen seit Ende 2014 sind ein Glücksfall in der Historie der traditionsreichen „alten Merkelfabrik“ des Chemnitzer Ortsteiles Kleinolbersdorf-Altenhain.

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Das geheime Bauvorhaben am Adelsbergturm und der schwierige kommunale Neubeginn 1990

 

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im April 2006, zuletzt bearbeitet im April 2022


Dies ist die Geschichte des atemberaubenden Umbruchs in unseren beiden Dörfern Kleinolbersdorf und Altenhain am Stadtrand von Chemnitz in den ersten Jahren nach dem Mauerfall, wie sie sich so oder so ähnlich in vielen Ortschaften der überraschend implodierten DDR ereignet hat. Eine Geschichte von Bestandsaufnahme, anfänglicher Ratlosigkeit, Herausforderungen, Überraschungen, Schwierigkeiten und beachtlichen Erfolgen. Eigentlich nichts Besonderes, nur dass sie mit vielen Erinnerungen aufgeschrieben und als Historie gegen das Vergessen für Nachgeborene bewahrt wurde.

Über die Zeit vorher wird in der  "Chronik der Wendebewegung 1989 in Kleinolbersdorf-Altenhain" berichtet, wie bei uns im Herbst des Wendejahres alles begonnen hat.

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