von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Mail 2014

Niemand spricht vom ehemaligen Deutschen Kaisereich, von der ehemaligen Weimarer Republik oder vom ehemaligen Dritten Reich. Von der ehemaligen DDR wird dagegen auch nach einem Vierteljahrhundert häufig gesprochen oder geschrieben, nicht selten auch von unseren Koryphäen aus Politik und Medienwelt. Das mag oft gedankenlos nachgesprochen oder ein Lapsus im Gebrauch der deutschen Sprache sein. Zuweilen aber auch bedacht abwertend: Ihr wart doch marode und pleite! Warum sagt man nicht einfach DDR? Die Historie ist schließlich hinreichend bekannt.

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von Karlheinz Reimann

Dies ist meine Geschichte der versuchten, aber erfolglosen Anwerbung der Staatssicherheit der DDR in Karl-Marx-Stadt als IMV, als inoffiziellen Mitarbeiter  mit Feindberührung, ursprünglich beschrieben für die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen  auf www.bstu.bund.de  unter dem Titel "NEIN-Sager", und auf der Basis von Dokumenten der Behörde aus meiner  Akte.

Es ist eine Geschichte wie viele andere auch, die erfolglos verlaufen sind, weil die oder der Angesprochene den Mut aufgebracht hat, NEIN zu sagen. Aber  mehr als eine Million Menschen in der DDR und einige Tausend  vor allem in der BRD bis 1990 sowie  im Ausland sollen nach vorsichtiger Schätzung   zeitweilig - manche über viele Jahre - als Informanten für die Stasi tätig gewesen sein. Viele dieser Geschichten sind inzwischen verdrängt, verblasst oder verblasst oder vergessen. Weil es meine eigene Geschichte ist, darf ich authentisch davon berichten. Auch 30 jahre nach dem Mauerfall soll für Nachgeborene nachlesbar bleiben, wie man in der DDR durch die Stasi auch als unbescholtener Bürger  völlig überraschend in belastende Bedrängnis geraten konnte.

Dennoch fühle ich mich nicht als Opfer der DDR. Weil es ein Anwerbeversuch nach der Überzeugungsmethode war, bin ich trotz meiner Weigerung im wesentlichen unbeschadet heraus gekommen. Meine berufliche Karriere war aus anderen Gründen bereits vorher begrenzt. Zum Opfer bin ich erst nach der DDR geworden durch Verleumdung und Zersetzung in gewohnter Stasi-Manier "bei der Stasi dabei gewesen zu sein" und die damit gesäten Zweifel  ehemaliger Mitstreiter. Als engagierter Befürworter für das Bauvorhaben Gartenstadt-Nord  sollte 1993 der Gemeinderat "gekippt" werden. Tatsächlich ist die Fertigstellung von Gartenstadt-Nord später für Jahrzehnte verhindert worden.

Dem Schriftsteller Klaus Behling aus Potsdam danke ich herzlich für den Beitrag darüber in seinem Buch.



Karlheinz Reimann,
zum 3. Oktober 2014, dem Tag der deutschen Einheit

 

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von Klaus Gackstädter und Karlheinz Reimann,

geschrieben im Januar 2010  (1), aktualisiert im August 2016

Der   Chemnitzer    Stadtteil   Adelsberg    beging   2009 mit  einer Veranstaltungsreihe sein     75-jähriges  Bestehen unter diesem Namen. Florian Morgenstern vom Heimatverein Adelsberg blickte am Ende mit dem Resümee „Ein gelungenes Menü" auf das Festjahr zurück. Zum Vortrag über die Stasi in Adelsberg schrieb er: „Karlheinz Reimann servierte eine schwer verdauliche Kost, die so manchem noch heute im Magen liegen dürfte. Er beschrieb in seinem Vortrag die Zeit des stabilen Grauens in Adelsberg und blickte hinter so manche Tür auf dem ehemaligen Stasi-Gelände. Dass die Menschen mit diesem Thema nicht abgeschlossen haben, zeigte die überfüllte Kirche an diesem Abend". (2)

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Januar 2014

Im September 1966 wurde in Moskau auf der Ausstellung „interorgtechnika" von Robotron die erste moderne EDVA im RGW-Bereich, ein Konstruktionsmuster des Systems R300, mit einer großen Palette peripherer Geräte zum ersten Mal gezeigt. Auch zum großem Erstaunen von Spezialisten anderer Firmen der BRD und aus dem westlichen Ausland trotz  der bestehenden Embargobedingungen. R300 war ein volltransistorisierter Rechner der zweiten Generation nach IBM/1400-Architektur mit ausgereifter Gefäßkonstruktion, gewickelter Rückverdrahtung (wire-wrap), Flachkabelverbindungen und vergoldeten Steckkontakten. Der Rechner war robust und zuverlässig, er lief, lief und lief ... mancherorts noch bis 1990. Er war in der Rechentechnik der DDR das, was anderenorts im Autosektor der VW Käfer war. „Bis 1970 wurden 351 Anlagen für Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung der DDR produziert", weiß Rolf Kutschbach, der damals federführend an Marktanalyse und Konzeption des Systems gearbeitet hat, aus dem Stegreif. R300 war eine große Gemeinschaftsleistung, an der weit über einhundert Ingenieure, Mathematiker, Konstrukteure und Mitarbeiter im Musterbau, darunter auch viele Frauen (wodurch sie auch erhöhte Rentenanrechte erworben haben), in verschiedenen Betrieben beteiligt waren, mit der die Rechentechnik und elektronische Datenverarbeitung in der DDR auf ein völlig neues Niveau gehoben wurden. Dieses komplexe System war aber auch eine große Herausforderung hinsichtlich der Überleitung der Entwicklung in die Produktion in neu errichteten Fertigungsstätten mit neu eingestelltem Personal, vor allem in Dresden. Bei Robotron in Karl-Marx-Stadt war Günter Bezold einer der führenden Organisatoren für diese nicht selten komplizierten Prozesse.

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Februar 1991, überarbeitet im November 2013.

Der Absatz über  Perpetua Uhlig wurde im Oktober 2016 eingefügt, wofür Alexander Uhlig nach Einsicht in die Stasi-Akten  sowie aus persönlichen Unterlagen der Familie den derzeit vorliegenden Erkenntnisstand zum mysteriösen Tod seiner Schwester beigetragen hat.

Kurt Wetzel, Jahrgang 1919, hat in sechs Kriegsjahren dem Tod viele Male ins Auge geblickt. Vor allem an der Ostfront hat er Grausamkeiten von ungeheurem Ausmaß gesehen. Zweifellos hat dies den jungen Mann stark geprägt. Über vieles in der Welt zwischen Himmel und Erde hat er nachgegrübelt, und in so mancher Verzweiflung im Krieg hat er Kraft geschöpft aus seinem tief verwurzelten Glauben als Christ. Er hatte Glück und kam unversehrt aus dem Krieg zurück. Der Hunger im Land während der Nachkriegsjahre war groß und allgegenwärtig. Aufgewachsen in der elterlichen Landwirtschaft, wollte er die Tradition fortsetzen, wieder einen Landwirtschaftsbetrieb aufbauen und diesen mit Tatkraft und Kreativität betreiben. Er hatte sich viel vorgenommen, aber manches kam ganz anders, als er sich vorgestellt hatte.

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Dezember 2010 (nach persönlichen Aufzeichnungen von 1991)

Manfred Beyer (Name geändert) lebt mit seiner Frau und der heranwachsenden Tochter in  einem Städtchen im Vogtland. Er hat sein Hobby - das Fotografieren - zum Beruf gemacht. Mit der Arbeit bei der DEWAG verdient er sein Einkommen und ist damit eigentlich zufrieden. Auch in seiner Freizeit geht er seiner Leidenschaft nach, längst hat er seine künstlerischen Ambitionen entdeckt. Er ahnte damals nicht, dass sich später sein Leben dramatisch ändern wird, weil er durch das Fotografieren in eine Erpressung durch die Staatssicherheit gerät.

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