von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Januar 2018

Die Geschichte Preußens und des Deutschen Reiches ist auch eine Geschichte von Kriegen, die zu immer furchtbareren Katastrophen für die Menschen und immer größeren Zerstörungen in den betroffenen Ländern geführt haben. Der über Jahre erstarrte Frontverlauf im Ersten Weltkrieg führte zur Herausbildung der westlichen Militärstrategie im Zweiten Weltkrieg. Hieraus entstanden die Pläne  zur Zerstörung von 70 deutschen Städten, darunter auch Chemnitz,  mit vielen getöteten Zivilisten in der Heimat. Der erste Weltkrieg brach auch aus, weil die Entscheidungsträger das Ausmaß der möglichen Zerstörungen offensichtlich nicht mehr überschauen konnten. Dabei hätten sich, wie Historiker heute meinen, Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II.  - die Cousins "Willy" und "Nicky" - auch gegen den Krieg entscheiden können.

Weiterlesen...

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Februar 2007, zuletzt aktualisiert im Januar 2018

 

Nach Recherchen von Uwe Fiedler in britischen Militärarchiven taucht Chemnitz erstmals im September 1941 auf einer Liste von 43 deutschen Großstädten auf, die als Ziele für schwere Luftangriffen vorgesehen sind. (1) Bereits im Oktober und November 1941 fotografierten britische Flugzeuge aus 10.000 Metern Höhe das Stadtgebiet zur weiteren Luftaufklärung und Angriffsplanung. Chemnitz, das „Sächsische Manchester“, erschien wegen der hohen Bevölkerungsdichte, der konzentrierten Hochbauzonen im Stadtzentrum und der engen Verflechtung von Fabriken und Wohnungen der Arbeiter als attraktives Ziel für schwere Bombenangriffe. Die militärische Strategie der westlichen Alliierten im Zweiten Weltkrieg hatte im Verlauf des Krieges immer mehr zum Ziel, nicht nur  Industrie- und Verkehrsobjekte wegen  ihrer militärischen Bedeutung im Hinterland des Feindes zu zerstören, sondern auch die dazu erforderlichen Arbeits- und Verwaltungskräfte zu eliminieren oder durch Zerstörung ihrer Wohnstätten (dehousing) und Demoralisierung ihre Einsatzfähigkeit auszuschalten. So war die Zerstörung umfangreicher Wohngebiete mit vielen Toten der Zivilbevölkerung - wie im Juni 1943 in Hamburg mit 34.000 Toten in wenigen Tagen oder im Februar 1945 in Dresden mit mindestens 25.000 Toten -  nicht nur ein hingenommener Kollateralschaden, sondern offensichtlich eine vorgesehene Zielstellung. Aber Chemnitz lag zu dieser Zeit noch weit außerhalb der Reichweite von Flugzeugen der Alliierten, die nach Osten und Süden ungefähr durch eine Linie Kiel–Hannover–Kassel--Mannheim begrenzt war. Das änderte sich jedoch 1944 und besonders im Frühjahr 1945 auch für Chemnitz in dramatischer Weise, nachdem die USA, England und Kanada seit 1943 zunehmend ihre Luftflotten durch schwere viermotorische Bomber  aufgerüstet hatten und vor allem Engländer und Kandier auch in Flugzeugen über eine hochentwickelte Radartechnik verfügten, die Angriffe bei Nacht und wolkenverhangenem Himmel mit guter Zielgenauigkeit möglich machte.

Weiterlesen...

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Oktober 2004 für

"Chemnitzer Erinnerungen 1945" Teil III, Die Vororte der Stadt Chemnitz,
herausgegeben von Gabriele Viertel, Uwe Fiedler, Gert Richter
Verlag Heimatland Sachsen Chemnitz 2005
Kleinolbersdorf-Altenhain Seite 106 ff.

Johannes Schlüter aus Chemnitz, damals Flugzeugführer der deutschen Luftwaffe, erzählt seine Erinnerungen an den 14. Februar 1945, als er im Chemnitzer Zeisigwald den ersten Abendangriff beobachtete. Von der zweiten und dritten Angriffswelle an diesem Abend  konnte er vom  Zeisigwald aus nur wenig wahrnehmen, das Geschehen hatte sich mehr zum Erzgebirge hin verlagert.

Weiterlesen...

 

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Oktober 2004 für

"Chemnitzer Erinnerungen 1945"   Teil III,  Die Vororte der Stadt Chemnitz,
Herausgegeben von Gabriele Viertel, Uwe Fiedler, Gert Richter
Verlag Heimatland Sachsen Chemnitz 2005
Kleinolbersdorf-Altenhain, Seite 101 ff.

überarbeitet im September 2014

Gegen Ende des Krieges 1945 waren die beiden Dörfer Altenhain mit 540 Einwohnern und Kleinolbersdorf mit 803 Einwohnern (1) eigenständige Ortschaften, jede mit eigenem Bürgermeister, eigener Schule und eigener Freiwilliger Feuerwehr. Aber beide waren seit jeher miteinander verbunden als eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde mit der Dorfkirche in Kleinolbersdorf. (2) Die Reihendörfer wurden hauptsächlich geprägt durch die jahrhundertealten Bauernhöfe und dazwischen liegenden Siedlerhäuser, die dörflichen Handwerksbetriebe und nur sehr wenige fabrikmäßige Fertigungsstätten. In Kleinolbersdorf hat Bürgermeister Ebert seit Ende der zwanziger Jahre mit dem Bau der Siedlung Gartenstadt (3) ein bevorzugtes Wohngebiet vorangetrieben, während in Altenhain vorwiegend an der Zschopauer Straße in der Nähe des historischen Gasthofes Goldener Hahn einige mondäne Häuser und Villen entstanden sind. Kleinolbersdorf war vielen Chemnitzern durch die beliebten Ausflugsgaststätten Adelsbergturm und Sternmühle bekannt geworden. 1974 wurden beide Dörfer verwaltungsmäßig zur Gemeinde Kleinolbersdorf-Altenhain zusammengeführt. (4)

Weiterlesen...

 

Professor Rolf Lieberknecht im Gespräch mit Karlheinz Reimann über seine Chemnitzer Unternehmerfamilie und ein heute denkmalgeschütztes Haus.

Geschrieben im September 1995, überarbeitet im August 2014

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Mitteldeutschland mit Sachsen, Thüringen und Sachsenanhalt die industriell am modernsten entwickelte Region Deutschlands. Die sowjetische Besatzungszone hatte 488.000 Betriebe mit 3,6 Millionen Beschäftigten, für damalige Verhältnisse ein sehr fortgeschrittener Rationalisierungsgrad, besser als jede der drei Westzonen. Hier befanden sich Autofirmen wie Autounion in Chemnitz, BMW in Eisenach und das hochmoderne Opelwerk in Brandenburg mit vielen Zulieferbetrieben, die weltweit modernsten Zweige der Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik, Chemie, Pharmazie, Film- und Kunststoffproduktion, Textil- und Bekleidungsindustrie sowie Glas-, Keramik- und Möbelindustrie mit leistungsstarken Mittelstandsbetrieben und vielen kreativen Unternehmern. Obwohl durch Bomben am Ende des Krieges und die umfangreiche sowjetische Demontage verheerende Schäden entstanden sind, wären durch die günstigen Voraussetzungen die Lücken im Osten unter westlichen Verhältnissen schneller geschlossen worden als in den Westzonen, meint Günter Schabowski. Aber Hundertausende Unternehmer wurden in den folgenden Jahren enteignet und systematisch vertrieben (wie hier die sächsische Unternehmerfamilie Lieberknecht, K.R.) und die Betriebe sozialistischer Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild unterworfen (1). 

Weiterlesen...

von Karlheinz Reimann,

geschrieben 1995, überarbeitet im Februar 2014 

Johannes Ebert K

Johannes Ebert hat als Bürgermeister die Ortschaft Kleinolbersdorf mit seinen Visionen und durch sein engagiertes Wirken in herausragender Weise geprägt. Unter seiner Führung wurde die Siedlung Gartenstadt geplant und mit ihrem Bau begonnen. Er hat eine moderne Infrastruktur für das Dorf angestrebt und diese teilweise zum Ausbau gebracht. Selbst ein kleines Gewerbegebiet vor Roschers Gut hatte er vor Augen. Aber durch seine unbeugsame demokratische Überzeugung ist er zweimal politisch gescheitert: 1933 an den Nationalsozialisten und 1948 an den Kommunisten.

                           Johannes Ebert 1952 (Bild: Tochter
                           Brigitte Voigtmann)

                                   

                                                                                                    

Weiterlesen...

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Juli 2008

Der Gasthof Kleinolbersdorf, mit vielen Feldsteinen wahrscheinlich um 1883 erbaut, muss von Anfang an ein geschäftiger Ort im Dorf und eine gute Adresse für Ausflügler aus Chemnitz gewesen sein. Verband er doch in idealer Weise im Erdgeschoss auf der rechten Seite die Gaststube mit später in Holz angebauter Veranda und kleinem Biergarten, auf der linken Seite die Fleischerei mit Schlachthaus und im Obergeschoss den Festsaal für 200 Personen, in dem auch eine richtige Bühne mit Seitenaufgängen vorhanden war. Die Fleischerei versprach in der Gaststube ein preiswertes und „deftiges Essen" mit „guter Brühe", was von Anbeginn über viele Jahrzehnte für viele Gäste ein gewichtiger Grund war, hier einzukehren. Und wenn am Samstagabend oder zu Feiertagen eine Kapelle zum Tanz aufspielte, strömten die Dörfler zu Jubel-Trubel-Heiterkeit (am späteren Abend auch mit gelegentlicher Klopperei) herbei.

Weiterlesen...

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Juni 2002, überarbeitet im November 2013

Kleinolbersdorf, idyllisch gelegen mit Blick zur Augustusburg von seinen Höhen, in seiner Niederung einmündend in das Sternmühlental, ist ein langgestrecktes Reihendorf wie viele hier im Erzgebirge. Mit Kirche, Schule, Gasthof mit Fleischerei und Kirchweihplatz, Gemeindeamt, Hufschmiede und Stellmacherei (heute abgerissen), alles dicht beisammen in seiner Mitte, hatte es besonders seit 1900 ein kulturelles und wirtschaftliches Dorfzentrum. Im Juni 2002 wurde mit einer Festveranstaltung der Einweihung des Schulgebäudes im Sommer 1902 gedacht, in dem Schülerinnen und Schüler bis heute in fünf verschiedenen Gesellschaftssystemen auf unterschiedliche Weise gelernt haben. Mit der Ansprache zum Schuljubiläum wird ein Rückblick auf 100 Jahre Schule als Spiegelbild des gesellschaftlichen Umfeldes unternommen.

Weiterlesen...

 

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Dezember 2010, überarbeitet im Februar 2014

Weihnachten war auch in der DDR ein großes Fest. Offiziell wurde es immer öfter „Fest des Lichtes“ genannt, um den Bürgern die christliche Weihnachtsgeschichte peu à peu aus dem Gedächtnis zu entrücken. Allerdings mit geringem Erfolg, am Heiligen Abend waren die Kirchen proppenvoll. Selbstverständlich wurde hierzulande für die Festtage gekocht, gebacken und gebraten, es wurden Stollen, die Weihnachtsgans, Apfelsinen und die weihnachtlichen Leckereien besorgt. Im Fleischerpäckchen fand man meist auch einen Rollschinken, obwohl der gar nicht auf dem Bestellzettel gestanden hatte. Doch  ohne Zitronat, Orangeade, Mandeln und ausreichend Rosinen aus dem Westpaket nahm das Stollenbacken hier keinen rechten Anfang. 

Weiterlesen...

von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Februar 2005

Zu den Bildern meiner Kindheit in Kleinolbersdorf gehört im Winter auch der von Pferden mit Glockengeläut gezogene Schneepflug. Der große, hölzerne, schwergewichtige Spitzpflug, bei dem die Seitenteile in der hinteren Hälfte entsprechend der Straßenbreite mehr oder weniger ausgestellt werden konnten, war von der Gemeinde angeschafft worden. Gemäß Verträgen mit Bezahlung nach Stunden sorgten Bauern des Ortes mit ihren Pferden und diesem Schneepflug dafür, dass die Straßen im Dorf stets offen blieben. Das Bild zeigt einen zweiten, kleineren Schneepflug wahrscheinlich um 1953 mit dem heutigen Haus Pöge im Hintergrund, offensichtlich mit Pferden des Gutes Münzner, das Elfriede und Fritz Fiedler freundlicherweise aus ihrem Fotoalbum zur Verfügung gestellt haben.

Weiterlesen...

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok