von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Dezember 2016


Aus meiner Kindheit in Kleinolbersdorf nach dem Ende des Krieges habe ich den von Pferden mit Glockengeläut gezogenen Schneepflug noch in Erinnerung. Der große, hölzerne, schwergewichtige Spitzpflug, dessen Seitenteile in der hinteren Hälfte entsprechend der Straßenbreite ausgestellt werden konnten, war von der Gemeinde angeschafft worden. Nach Verträgen mit Bezahlung nach Stunden sorgten Bauern des Ortes mit ihren Pferden und diesem Schneepflug dafür, dass die Straßen im Ort stets offen blieben – für die Bauern eine willkommene Winterarbeit.

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Von Karlheinz Reimann,

geschrieben im April 2016

Als 2015 der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) bis 2030 aufgestellt  worden ist, war darin die Modernisierung der Bahnlinie Chemnitz - Leipzig nicht eingeordnet worden. Alle administrativen Bemühungen der Stadt Chemnitz dafür waren erfolglos geblieben. Deshalb appellierte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig an Vertreter von Politik, Wirtschaft, öffentlichen Institutionen und alle Bürger, sich mit Argumenten für eine zeitgemäße Anbindung von Chemnitz, einer Stadt mit 250.000 Einwohnern und beachtlichem Wirtschaftspotential, an das Fernliniennetz der Bahn einzubringen. Im August 2016 wurde  unter  Berücksichtigung eingegangener Stellungnahmen der neue Entwurf für den BVWP 2030 in den Bundestag eingebracht, in dem nun auch die Strecke Chemnitz - Leipzig in den "potentiellen Bedarf" aufgenommen wurde. Barbara Ludwig: "Damit ist das fast Unmögliche gelungen, nämlich Änderungen am Entwurf zum Verkehrswegeplan zu erreichen. Mit der Aufnahme in den potentiellen Bedarf  besteht jetzt tatsächlich endlich die Chance, dass Chemnitz wieder eine leistungsfähige Anbindung an den Fernferkehr erhält, wie sie einer Wirtschaftsregion dieser Bedeutung auch zusteht ..." Doch die Realisierung des Projektes, ein zweigleisiger Ausbau und die Elektrofizierung der Strecke, ist damit noch nicht gesichert. Es kommt jetzt darauf an, dass die Modernisierung der Strecke in die nächste Dringlichkeitsstufe, den "vordringlichen Bedarf" aufsteigen kann.

Bereits während praktischer Arbeit vor und während meines Studiums an der Hochschule für Verkehrswesen Dresden hatte ich die Misere des Eisenbahnbetriebes auf der Strecke Chemnitz - Leipzig kennengelernt, die trotz punktueller Verbesserungen bis heute besteht. Deshalb wollte ich mich mit dem folgenden Schreiben an das Bundesverkehrsministerium auch als Bürger mit der folgenden Stellungnahme an der Diskussion des Entwurfes beteiligen.

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Februar 2016  (autorisiert von Prof. Dr. Kurt Biedenkopf)

Die Errichtung des Freistaates Sachsen, der Aufbau demokratischer, rechtsstaatlicher Strukturen, die ökologische und wirtschafliche Entwicklung des neuen Bundeslandes nach dem Ende der DDR liegen nun ein Vierteljahrhundert zurück. In historischen Zeiträumen nur ein Wimpernschlag, aber gemessen an der Lebenserwartung eines Menschen etwa ein Drittel seines Lebens. Da erscheinen heute Ereignisse und Situationen von 1990 wie aus einem fernen Land und zeigen die enorme Wegstrecke, die seitdem zurückgelegt worden ist. 

„Als im Herbst 1989 die Mauer fiel, war dies vor allem dem Mut der Menschen in der DDR zu verdanken. Zugleich wurde aber auch schmerzlich klar, wie wenig die westdeutsche politische Klasse von den Verhältnissen in der DDR wusste“, resümiert Kurt Biedenkopf in seinem Tagebuch (1). Seine Aufzeichnungen, beginnend im Sommer 1989, beschreiben Aufbruch, Umbruch und Demokratisierung in der DDR, die Vereinigung des geteilten Landes, eine Zeit ungeheurer Dynamik und Veränderung, die der Politiker beobachtet, analysiert und später mitgestaltet hat.

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von Karlheinz Reimann,

geschrieben im Februar 2015

Die „alte Merkelfabrik“ war als herausragendes Bauwerk immer ein Blickfang in Altenhain, einem kleinen Dorf am südöstlichen Stadtrand von Chemnitz. Herausragend, weil der nun fast 200 Jahre alte und sieben Stockwerke hohe Industriebau, in idyllischer Umgebung am Eingang zum Sternmühlental gelegen, als Kulturdenkmal Stil und Stolz sächsischen Unternehmertums verkörperte. Mancher Hobbymaler hat mit diesem repräsentativen Gebäude sein Motiv gefunden.

Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung im 19. Jahrhundert, durch die nun auch in kleineren Dörfern Fabriken entstanden, war ohne ein motorisiertes Verkehrswesen das Entstehen von fußläufig erreichbaren Arbeitsplätzen für die ländliche Bevölkerung von großer Bedeutung. Während der Bombenangriffe im Februar/März 1945 auf Chemnitz haben Einwohner von Altenhain im tiefen Keller der Merkelfabrik Schutz gefunden. In den Jahren nach dem Krieg war für uns Kinder das Baden und Schwimmen in Merkels Teich oft ein großes Vergnügen während der Sommerferien.

Nach der Wende stand die Fabrik über fast zwei Jahrzehnte leer und war dem Verfall preisgegeben. Niemand konnte sich vorstellen, dass dieses Kulturdenkmal jemals gerettet werden kann. Die grundhafte Sanierung des Gebäudes und die Revitalisierung durch ein innovatives Unternehmen seit Ende 2014 sind ein Glücksfall in der Historie der traditionsreichen „alten Merkelfabrik“ des Chemnitzer Ortsteiles Kleinolbersdorf-Altenhain.

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